Honorarabrechnung

Abrechnung von Privatpatienten – darauf sollten Ärzte bei der Privatabrechnung achten

Praxisalltag

Bei der Abrechnung Ihrer Privatpatienten, d.h. bei der sogenannten Privatabrechnung, gibt es einiges zu beachten. Unabhängig davon, ob Sie eine niedergelassene Praxis bzw. Privatpraxis führen, als Chefarzt im Krankenhaus arbeiten oder für ein MVZ die Abrechnung der Privatpatienten erledigen wollen, können Sie hier nicht nur Gebühren für erbrachte Leistungen abrechnen, sondern ebenso Entschädigungen oder den Ersatz von Auslagen. Bei aufwendigen oder schwierigen Leistungen können Sie den sog. Einfachsatz außerdem mit einem entsprechenden Steigerungssatz multiplizieren und somit ein höheres Honorar berechnen. Damit Sie bei der Privatpatienten-Abrechnung nicht den Überblick verlieren, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel, worauf Sie als Arzt bei der korrekten Privatabrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte achten müssen und wie Sie hierdurch finanzielle Vorteile erfahren können.

Patientengespräch

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regelt die Privatabrechnung

Die Vergütung privatärztlicher Leistungen wird durch die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) geregelt. Darunter fallen alle Leistungen, die nicht von einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden, weil der Patient entweder Privatpatient ist oder Individuelle Gesundheitsleistungen (sogenannte „IGeL“) in Anspruch nimmt. Bei den IGeL handelt es sich um Gesundheitsleistungen, die über die normale Behandlung hinausgehen und vom Patienten als Selbstzahler zugunsten des Arztes übernommen werden müssen.

Der Gesetzgeber hat für die verschiedenen Bereich der Medizin eigene Gebührenordnungen erlassen. So gibt es eigene Gebührenordnungen für Humanmediziner (GOÄ), Zahnmediziner (GOZ), Veterinäre (GOT) und auch Psychotherapeuten (GOP).

Auch wenn dies alles auf den ersten Blick undurchsichtig erscheint, so stellt die GOÄ eine Möglichkeit für Ärzte dar, privatärztliche Leistungen standardisiert und somit einfacher und fair abzurechnen. Eine korrekt und vollständig ausgeführte Privatabrechnung kann die Einnahmen – und somit auch die Gewinne – einer ärztlichen Praxis steigern und somit zur Optimierung der Praxis beitragen.

Die GOÄ teil sich in 16 Abschnitte auf, die sich auf verschiedene Fachgebiete beziehen. Mögliche Leistungen werden in Form von Ziffern angegeben (beispielsweise Gebührenziffer 1 für Beratungen). Die Gebührenordnung regelt außerdem, welche Ziffern in der privatärztlichen Abrechnung nicht zusammen verwendet werden dürfen. Außerdem gibt es Buchstaben für verschiedene Zuschläge. Neben Gebühren und Zuschlägen, können Sie bei Ihren Patienten außerdem Entschädigungen für die Anreise bei Hausbesuchen abrechnen sowie den Ersatz von Auslagen. Beachten Sie, dass hierbei nur diejenigen Leistungsbausteine berechnet werden dürfen, die als Gebühr, Entschädigung oder Auslagenersatz gelten. Zusätzliche Pauschalen oder andere Kosten sind nicht zulässig. Achten Sie außerdem strikt darauf, dass Sie keine Teilleistungen separat abrechnen, die bereits in einer Gebühr enthalten sind. Denn ist dies der Fall, könnte der betroffene Patient Ihre Rechnung anfechten.

So lautet die Leistung unter Gebührenziffer 22 beispielsweise „Eingehende Beratung einer Schwangeren im Konfliktfall über die Erhaltung oder den Abbruch der Schwangerschaft – auch einschließlich Beratung über soziale Hilfen, gegebenenfalls auch einschließlich Beurteilung über das Vorliegen einer Indikation für einen nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruch“ (siehe Anhang GOÄ). Die bereits eingeschlossenen Beratungsleistungen dürfen dementsprechend nicht zusätzlich berechnet werden, sondern sind mit der Gebühr bereits abgedeckt.

Damit Sie als Arzt nicht selbst Ihre wertvolle Zeit für die Abrechnung von Privatpatienten opfern müssen, gibt es außerdem Abrechnungsstellen, die Ihnen bei der Privatliquidation behilflich sind.

Wie berechnet sich der Gesamtbetrag bei einer Privatabrechnung?

Die Höhe des Gesamtbetrags einer Abrechnung von Privatpatienten berechnet sich anhand verschiedenster Faktoren, darunter unter anderem die Art der Leistung sowie die Intensität bzw. Schwierigkeit der Behandlung.

Bei der Abrechnung von Privatpatienten ist zu beachten:

  • Gebührenziffer
  • Eventuelle Entschädigungen
  • Eventueller Auslagenersatz
  • Punktzahl der Leistung
  • Punktwert
  • Einfachsatz
  • Steigerungssatz
  • Regelhöchstsatz
  • Höchstsatz
  • Individuelle Honorarvereinbarungen
  • Wechselseitige Anwendungen
  • Analogleistungen

Gebührenziffer

Als Grundlage dienen jeder privatärztlichen Abrechnung Ziffern, die jeder Leistung zugeordnet ist. Je nachdem, welche Leistung Sie erbracht haben, finden Sie neben der zugehörigen Gebührenziffer im Anhang der Gebührenordnung für Ärzte die weiteren Angaben, die Sie benötigen, um den finalen Abrechnungsbetrag einer Behandlung zu berechnen.

Entschädigung

Sie können bei Ihren Patienten nicht nur Gebühren von erbrachten Leistungen abrechnen, sondern ebenso Entschädigungen, beispielsweise für Fahrtstrecken, die Sie im Rahmen eines Hausbesuches zurücklegen mussten. Gemäß § 8 GOÄ können Sie somit bei Anfahrtsstrecken von bis zu 25 Kilometern ein sogenanntes Wegegeld berechnen. Die zulässige Höhe der Entschädigung hängt hierbei davon ab, ob Sie tagsüber oder nachts gefahren sind und wie weit der Hausbesuch von Ihrer Praxis entfernt ist.

Das Wegegeld ist dabei wie folgt gestaffelt:

  • Strecke von bis zu 2 km: 3,58 € (tagsüber)
  • Strecke von bis zu 2 km: 7,16 € (nachts, zwischen 20:00 und 8:00 Uhr)
  • Strecke zwischen 2 und 5 km: 6,65 € (tagsüber)
  • Strecke zwischen 2 und 5 km: 10,23 € (nachts, zwischen 20:00 und 8:00 Uhr)
  • Strecke zwischen 5 und 10 km: 10,23 € (tagsüber)
  • Strecke zwischen 5 und 10 km: 15,34 € (nachts, zwischen 20:00 und 8:00 Uhr)
  • Strecke zwischen 10 und 25 km: 15,34 € (tagsüber)
  • Strecke zwischen 10 und 25 km: 25,56 € (nachts, zwischen 20:00 und 8:00 Uhr)

Sobald ein Hausbesuch mehr als 25 Kilometer von Ihrer Praxis entfernt ist, ist gemäß § 9 GOÄ nicht mehr die Rede vom Wegegeld, sondern von einer Reiseentschädigung. Bei der Abrechnung der Reiseentschädigung greifen die folgenden Regeln:

  • Sofern Sie Ihren eigenen PKV verwenden, können Sie pro zurückgelegtem Kilometer 0,26 € abrechnen.
  • Sofern Sie öffentliche Verkehrsmittel verwenden, können Sie die Kosten abrechnen, die Ihnen tatsächlich entstanden sind.
  • Sofern Sie weniger als 8 Stunden lang von der Praxis entfernt sind, können Sie Ihrem Patienten 51,13 € berechnen.
  • Sofern Sie mehr als 8 Stunden lang von der Praxis entfernt sind, können Sie Ihrem Patienten je Tag 102,26 € berechnen.
  • Falls eine Übernachtung notwendig wird, können Sie Ihrem Patienten die hierfür entstandenen Kosten berechnen.
Abrechnung von Privatpatienten – darauf sollten Ärzte bei der Privatabrechnung achten
Patientengespräch

Auslagenersatz

Für den Fall, dass Sie Kosten beispielsweise für Arzneimittel oder Verbandmaterial zunächst selbst tragen, können Sie diese Auslagen von Ihren Patienten ersetzen lassen, indem Sie die Kosten in tatsächlicher Höhe in die Privatabrechnung mit aufnehmen.

Punktzahl der Leistung

In der Gebührenordnung für Ärzte ist jeder ärztlichen Leistung eine Punktzahl zugeordnet. Diese Punktzahl gibt Aufschluss darüber, wie aufwendig eine Behandlung ist. Hierbei gilt: Je höher die Punktzahl, desto aufwendiger die Leistung. Die Punktzahl wird anschließend mit dem Punktwert multipliziert, um den Einfachsatz zu berechnen.

Punktwert

Der Wert eines Punktes beträgt 0,0582873 €. Die Punktzahl wird somit mit 0,0582873 € bzw. 5,82873 Cent multipliziert, um den sogenannten Einfachsatz zu erhalten.

Einfachsatz

Der Einfachsatz (in Euro) einer ärztlichen Behandlungs- oder Beratungsleistung berechnet sich somit, indem die Punktzahl einer speziellen Leistung mit dem Faktor 0,0582873 multipliziert wird.

Ein mindestens 50-minütiges „Beratungsgespräch in Gruppen von 4 bis 12 Teilnehmern im Rahmen der Behandlung von chronischen Krankheiten, je Teilnehmer und Sitzung“ (Gebührenziffer 20) hat beispielsweise eine Punktzahl von 120. Multipliziert mit dem Faktor 0,0582873 ergibt das einen Einfachsatz von 6,99 €.

Steigerungsatz (Abrechnungsfaktor bei Privatpatienten)

Je nachdem, wie schwierig und zeitaufwendig eine ärztliche Behandlung ist, können Sie den errechneten Einfachsatz in Ihrer Privatabrechnung mit einem angemessenen Steigerungssatz multiplizieren. Hierbei handelt es sich um einen Abrechnungsfaktor für Privatpatienten, mit dem der Rechnungsbetrag entsprechend erhöht wird. Welcher Steigerungssatz angemessen ist, hängt von der erbrachten Leistung ab. So kann der Einfachsatz bei persönlichen ärztlichen Leistungen mit einem Steigerungssatz zwischen 1 und 2,3 multipliziert werden. Bei medizinisch-technischen Leistungen dürfen Sie Steigerungssätze zwischen 1 und 1,8 anwenden. Für Laboruntersuchungen wiederum dürfen Sie das 1- bis 1,15-fache des Einfachsatzes berechnen.

Wählen wir das 50-minütige Beratungsgespräch aus dem vorherigen Absatz als Beispiel und multiplizieren den Einfachsatz in Höhe von 6,99 € mit dem Steigerungssatz von 2,3 so ergibt sich ein zu zahlender Betrag von 16,08 € (6,99 x 2,3 = 16,08).

Während die gesetzlich geregelten Steigerungssätze nur in dringenden Ausnahmefällen überschritten werden dürfen, dürfen sie ebenso nur in besonderen Situationen unterschritten werden, beispielsweise wenn Sie einen Familienangehörigen behandeln oder es sich um einen Notfall handelt.

Regelhöchstsatz

Der sogenannte Regelhöchstsatz berechnet sich, indem der Einfachsatz einer Leistung mit dem jeweils maximal zulässigen Abrechnungsfaktor für Privatpatienten multipliziert wird. Bei den meisten Privatabrechnungen von Ärzten wird der Regelhöchstsatz angewendet, welcher häufig deutlich über den Gebühren liegt, die ein gesetzlich versicherter Kassenpatient zahlt. Damit der höhere Preis gerechtfertigt ist, ist es notwendig, dass der Privatpatient auch tatsächlich einen besseren Service erhält. Während die Qualität der Behandlung selbst natürlich nicht von Kassenpatient zu Privatpatient variieren darf, können den Privatpatienten jedoch in anderen Bereichen bessere Services geboten werden. So müssen Privatpatienten häufig beispielsweise weniger Zeit im Wartezimmer verbringen und erhalten schneller einen Termin. Ein weiterer Service, der eine höhere Abrechnung bei Privatpatienten erlaubt, ist die direkte Behandlung vom (Chef-)Arzt selbst, während der ein oder andere Behandlungsschritt bei Kassenpatienten zum Beispiel von medizinischem Fachpersonal erledigt wird.

Höchstsatz

In der Praxis darf der beschriebene Regelhöchstsatz in Einzelfällen überschritten werden. Eine Überschreitung ist allerdings nur zulässig, wenn die Behandlung so schwierig und/oder zeitintensiv war, dass diesem Maß an Intensität durch den Regelhöchstsatz (also Einfachsatz multipliziert mit dem maximalen Steigerungssatz) nicht Rechnung getragen werden kann. Eine weitere Voraussetzung ist es, dass der Patient nachvollziehbar über die Umstände informiert wird, die dafür verantwortlich sind, dass der Regelhöchstsatz überschritten wird.

Damit die Abrechnung von Privatpatienten auch bei schwierigen und zeitaufwendigen Behandlungen nicht unkontrolliert hoch sein darf, gibt es auch für den absoluten Höchstsatz Grenzen. Diese liegen bei persönlichen ärztlichen Leistungen beim 3,5-fachen, bei medizinisch-technischen Leistungen beim 2,5-fachen und bei Laboruntersuchungen beim 1,3-fachen des Einfachsatzes.

Honorarvereinbarung

Grundsätzlich ist es Ihnen als Arzt möglich, auch individuelle Honorarvereinbarungen über die in der Gebührenordnung geregelten Sätze hinaus zu treffen. Damit die Privatpatienten bei Erhalt ihrer Rechnung keine böse Überraschung erleben, ist es hierfür notwendig, dass Sie das abweichende Honorar bereits vor der Behandlung persönlich mit Ihrem Patienten vereinbaren. Damit das individuell festgesetzte Honorar zulässig ist, müssen beide Parteien hierfür eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnen.

In der schriftlichen Vereinbarung müssen alle für den Patienten relevanten Informationen enthalten sein, darunter die folgenden:

  • die Gebührenziffer
  • die Leistungsbezeichnung
  • der individuell vereinbarte Steigerungssatz
  • der finale Abrechnungsbetrag.

Daneben ist es entscheidend, dass Sie den Patienten in dem individuellen Behandlungsvertrag außerdem schriftlich und verständlich darauf hinweisen, dass es sich bei der geplanten Behandlung ggf. um eine Leistung handelt, die (entweder im vollen oder teilweisen Umfang) privat bezahlt werden muss, da sie von der Krankenversicherung nicht oder nur teilweise übernommen wird.

Zum Schutz der Patienten darf eine individuelle Honorarvereinbarung gemäß § 2 GOÄ keine weiteren Absprachen enthalten. Um eine ärztliche Grundversorgung und eine schnelle Behandlung in Notsituationen zu gewährleisten, sind individuelle Honorarvereinbarungen gemäß § 2 GOÄ außerdem in einigen Fällen unzulässig. Dies ist in den folgenden Bereichen der Fall:

  • bei Notfallbehandlungen
  • bei der Behandlung akuter Schmerzen
  • bei Schwangerschaftsabbrüchen
  • bei Leistungen aus Abschnitt A GOÄ („Gebühren in besonderen Fällen“)
  • bei Leistungen aus Abschnitt E GOÄ („Physikalisch-Medizinische Leistungen“)
  • bei Leistungen aus Abschnitt O GOÄ („Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie“)

Wechselseitige Anwendungen

Die medizinischen Gebührenordnungen können auch wechselseitig angewendet werden, sodass ein Absatz aus der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) auch über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) anwendbar ist. Das macht vor allem dann Sinn, wenn eine Leistung nur in der jeweils anderen Gebührenordnung aufgeführt ist.

Da diese Leistungen in der für den jeweiligen Mediziner geltenden Gebührenordnung nicht explizit aufgeführt sind, führt dies in der Praxis bzw. Privatpraxis bei der Privatabrechnung häufig zu Unsicherheiten. Um sich den Aufwand und Ärger bei nicht vollständig eindeutigen Fällen zu sparen, empfiehlt sich die Privatabrechnung über eine Abrechnungsstelle.

Analogleistungen

Da die Gebührenordnungen für Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten nicht immer auf dem aktuellen Stand der Medizin sein können, beinhalten die Gebührenordnungen in § 6 GOÄ den Hinweis, dass Leistungen, deren Gebühren bisher nicht in der GOÄ geregelt sind, analog zu einer vergleichbaren Arztleistung abgerechnet werden dürfen. Für die erbrachte Leistung wird hierzu eine vergleichbare Leistung abgerechnet, die in Art, Zeitaufwand und Kosten gleichwertig ist.

Achtung: Gleichwertig bedeutet nicht gleichartig, also inhaltsgleich. Wichtig ist, dass der Geldwert der nicht enthaltenen Leistung der verrechneten Leistung entspricht.

Damit der Patient erkennen kann, dass es sich bei der abgerechneten Leistung nur um eine vergleichbare, nicht aber die tatsächlich erbrachte Leistung handelt, muss die Analogleistung als „entsprechend“ gekennzeichnet werden. Zusätzlich muss bei der Abrechnung einer analogen Leistung angegeben werden, welche Diagnose zuvor gestellt wurde.

Aufbau der Abrechnung von Privatpatienten

Damit Ihre Patienten an Ihrer Privatabrechnung letztlich nichts beanstanden können, sind ein korrekter Aufbau und eine sorgfältige Durchführung immens wichtig. Andernfalls kann es dazu führen, dass Zahlungen aufgrund einer falschen Rechnungsstellung ausbleiben. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung der Angaben, die auf der Abrechnung von Privatpatienten nicht fehlen dürfen.

Datum der Leistungserbringung

Damit die private Krankenversicherung Ihrer Patienten genau weiß, welchem Versicherungsjahr Ihre Privatabrechnung zuzuordnen ist, ist das exakte Datum der Leistungserbringung auf jeder ärztlichen Abrechnung Pflicht.

Gebührenziffer

Auch die Gebührenziffer, die der erbrachten Leistung zugeordnet ist, darf auf der privatärztlichen Abrechnung nicht fehlen. Denn die Gebührenziffer dient Ihren Patienten als Grundlage, um bei Bedarf selbst im Anhang der Gebührenordnung für Ärzte zu überprüfen, ob für die ärztliche Leistung ein zulässiger Betrag abgerechnet wurde. Die Gebührenziffer muss direkt neben der Leistungsbeschreibung stehen.

Leistungsbeschreibung

Damit Ihre Patienten verstehen, was genau in der Privatabrechnung berechnet wird, ist die Gebührenziffer nicht ausreichend. Stattdessen muss die Rechnung ebenso eine treffende Leistungsbeschreibung enthalten. Damit Patienten standardisierte, bestmöglich verständliche Rechnungen erhalten, muss die Leistung so benannt werden, wie es in der GOÄ vorgeschrieben ist.

Steigerungssatz

Damit Ihre Patienten nachvollziehen können, wie der Preis für eine Teilleistung zustande kommt, muss die Privatabrechnung außerdem den Steigerungssatz beinhalten. Den zulässigen Steigerungssatz pro Leistung finden Sie – wie oben beschrieben – im Anhang der Gebührenordnung für Ärzte.

Minderungsbeitrag (bei stationären Behandlungen)

Sofern eine Behandlung vollstationär, teilstationäre sowie vor- oder nachstationär geleistet wurde, muss die Gebühr gemäß § 6a GOÄ um 25 Prozent gemindert werden. Dieser sogenannte Minderungsbeitrag muss ebenso auf der Rechnung zu finden sein.

Preis pro Leistung

Aus dem zulässigen Einfachsatz multipliziert mit dem zulässigen Steigerungssatz ergibt sich der abrechenbare Preis jeder einzelnen erbrachten Leistung. Auch diese Angabe darf auf Ihrer Rechnung nicht fehlen. Optional können Sie zusätzlich den Einfachsatz je Leistung ausweisen, was Ihren Patienten dabei hilft, die Berechnung des Gesamtbetrags bestmöglich nachzuvollziehen.

Individuelle Honorarvereinbarung (optional)

Sofern Sie mit Ihren Patienten individuelle Honorare vereinbart haben, die über die in der GOÄ geregelten Gebühren hinausgehen, sind auch diese in der Privatabrechnung entsprechend aufzuführen.

Zusatz „Entsprechend“ (bei Analogleistungen)

Sofern Sie eine ärztliche Leistung erbracht haben, der in ihrer tatsächlichen Form (bisher) in der GOÄ noch keine eigene Gebührenziffer zugeordnet ist, dann können Sie analog eine Leistung abrechnen, die der tatsächlich erbrachten Leistung möglichst nahekommt. Der Transparenz halber ist in diesem Fall der Zusatz „entsprechend“ notwendig, sodass sich Ihr Patient nicht wundert, dass auf der Abrechnung eine Leistung steht, die in dieser Form gar nicht erbracht wurde.

Entschädigungen & Auslagenersatz

Sofern Sie – wie oben beschrieben – das Recht auf Wegegeld, eine Reiseentschädigung oder den Ersatz von Auslagen haben, so muss auch die Höhe dieser Positionen auf der Abrechnung kenntlich gemacht werden. Hierbei gilt es, sowohl die Art der Entschädigung bzw. der Auslage zu benennen sowie deren Berechnung bzw. Betrag.

Sobald Sie einen Auslagenersatz von mehr als 25,56 € abrechnen möchten, müssen Sie zusätzlich einen entsprechenden Beleg über die Kosten beifügen (bspw. in Form eines Belegs).

Gesamtbetrag

Damit der Patient auf den ersten Blick erkennen kann, welchen Betrag er letztlich überweisen muss, darf auf einer Privatabrechnung natürlich auch der Gesamtbetrag der Rechnung nicht fehlen.

Diagnose (optional)

Grundsätzlich ist die gestellte Diagnose gemäß § 12 GOÄ kein Pflichtbestandteil Ihrer ärztlichen Abrechnung. Dennoch ist es durchaus üblich, die Diagnose auf der Rechnung zu benennen, da sowohl private Krankenversicherungen als auch Beihilfeträger die Angabe der Diagnose fordern, um eine ärztliche Abrechnung auf Plausibilität zu prüfen.

Keine Umsatzsteuer auf ärztliche Leistungen

Ärztliche Leistungen unterliegen grundsätzlich nicht der Umsatzsteuer. Hierunter zählen alle Leistungen, mithilfe derer Sie eine Krankheit entweder feststellen oder heilen, Schmerzen lindern oder ein Leiden des Patienten mindern. Auch präventive ärztliche Leistungen sind von der Umsatzsteuer ausgenommen.

Umsatzsteuer auf zusätzliche Leistungen

Sofern Sie zusätzlich Leistungen erbringen, die nicht heilkundlicher Natur sind, so können diese gegebenenfalls der Umsatzsteuer unterliegen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie in seiner Praxis über seine ärztlichen Leistungen hinaus Kosmetika verkauft oder wenn ein Orthopäde seinen Patienten den Verkauf von Schuheinlagen anbietet.

Da es sich bei dem Handel mit diesen Produkten um umsatzsteuerpflichtige Leistungen handelt, müssen in diesem Fall auch Ihre Rechnungen den entsprechenden Anforderungen gemäß § 14 Umsatzsteuergesetz erfüllen. In einem solchen Fall muss Ihre Rechnung dementsprechend alle Pflichtangaben (gem. § 14 UStG) einer gewöhnlichen Rechnung enthalten, darunter Ihre Steuernummer, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer sowie den anzuwendenden Steuersatz (i.d.R. 19%).

Sofern eine Rechnung weniger als 250 € beträgt, gilt sie als Kleinbetragsrechnung. In diesem Fall können Sie ggf. von vereinfachten Regelungen profitieren. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Steuerberater oder lassen Sie sich von einer professionellen Abrechnungsstelle unterstützen.

Der Behandlungsvertrag als Grundlage für die Privatabrechnung

Grundlage jeder Privatabrechnung ist der Behandlungsvertrag, den Sie als Arzt vor Behandlungsbeginn mit Ihrem Patienten schließen. In diesem Behandlungsvertrag müssen die zu erwartenden Kosten für den Patienten klar ersichtlich sein. Andernfalls laufen Sie als Mediziner Gefahr, Ihren Vergütungsanspruch zu verlieren. Neben der finanziellen Aufklärung ist natürlich auch die umfassende medizinische Erläuterung von Bedeutung. Eine detaillierte Aufklärung erspart Ihnen potenzielle spätere Streitigkeiten und den damit verbundenen Ärger und Zeitaufwand. Der Behandlungsvertrag ist Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) §§ 630a – 630h. Welche Leistungen in diesen Vertrag aufgenommen und schließlich auch verrechnet werden können, obliegt allerdings der Entscheidung des Patienten.

Stellen Sie sicher, dass die Abrechnung Ihrer Privatpatienten korrekt ist!

Eine Rechnung muss von Ihren Patienten grundsätzlich nur dann bezahlt werden, wenn sie rechnerisch und sachlich korrekt ist. Andernfalls können Ihre Patienten darauf bestehen, dass die Rechnung ausgebessert wird. Das wiederum sorgt für weiteren Verwaltungsaufwand auf Ihrer Seite sowie verspätete Geldeingänge, die wiederum zu Liquiditätseinbußen führen.

Eine gute Lösung, um Problemen wie diesen aus dem Weg zu gehen, ist es, einen professionellen Abrechnungsservice in Anspruch zu nehmen. Dieser stellt für Sie sicher, dass Ihre Privatabrechnung zulässig, richtig und vollständig ist. Sie profitieren von der betriebswirtschaftlichen Erfahrung von Abrechnungsexperten und ersparen sich Zeitaufwand und Nerven.

Wichtig: Die richtige Dokumentation!
Es dürfen nur die ärztlichen Leistungen abgerechnet werden, die auch dokumentiert wurden. Damit Ihnen keine Teile Ihres Honorars entgehen, ist es daher wichtig, dass Sie die Leistungen, die Sie erbringen, vollständig und zuverlässig dokumentieren.

Wann sollte die Privatabrechnung am besten erfolgen?

Grundsätzlich steht es Ihnen frei, wann Sie die von Ihnen erbrachten Leistungen abrechnen. Sie können die Privatabrechnung sowohl direkt am Tag der Behandlung als auch monatlich oder quartalsweise vornehmen. Vor allem bei teuren Leistungen bzw. bei Abrechnungen mit einem hohen Gesamtbetrag ist es empfehlenswert, die erbrachten Leistungen zeitnah abzurechnen. So schützen Sie die Liquidität Ihrer Praxis, des Krankenhauses oder des MVZ.

Rechtlich gesehen haben Sie theoretisch allerdings deutlich länger Zeit, um Ihre Privatabrechnung vorzunehmen. Ihre Forderungen gegenüber Ihren Patienten verjähren erst am 31.12. des auf die erbrachten Leistungen folgenden dritten Kalenderjahres. Behandeln Sie einen Ihrer Patienten also beispielsweise am 04.10.2021, so verjähren Ihre Forderungen erst am 31.12.2024.

Im Vergleich: Unterschiede zur kassenärztlichen Abrechnung

Im Gegensatz zur Vergütung von privatärztlichen Leistungen werden kassenärztliche Gesundheitsleistungen anhand des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) abgerechnet. Diesen Maßstab können sowohl Sie als Arzt als auch Ihre Patienten auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) einsehen.

Die kassenärztliche Honorarabrechnung erfolgt quartalsweise. Nachdem Sie Ihre Behandlungsaufstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eingereicht haben, wird Ihre Aufstellung dort zunächst geprüft. Anschließend übernimmt die KV das Abrechnen mit den jeweiligen Krankenkassen Ihrer Patienten und überweist Ihnen letztlich das Honorar für die von Ihnen erbrachten Leistungen in Form von monatlichen Abschlagszahlungen. Damit Sie letztlich tatsächlich das richtige Honorar ausgezahlt bekommen, ist es unerlässlich, dass die Aufstellung sorgfältig gemacht wird.

Achtung: Jede Praxis darf jährlich nur eine bestimmte Anzahl an EBM-Leistungen erbringen.

Unser Tipp: Eine professionelle Abrechnungsstelle als Entlastung für Ihre Praxis

Die formalen Rahmenbedingungen der Abrechnung für Privatpatienten unterliegen strengen Regeln und ständigen Änderungen. Leistungen werden eingegrenzt oder erweitert, Fakten für die Abrechnung ändern sich. Neben einem turbulenten Praxisalltag hier den Überblick zu behalten, ist eine große Herausforderung. Auch wenn Sie und Ihr Praxisteam sich noch so sehr bemühen, kann es passieren, dass eine Abrechnung fehlerhaft ausfällt oder Leistungen übersehen werden, die abgerechnet hätten werden können. Unter Umständen kann dies einen erheblichen finanziellen Schaden für eine Arztpraxis bedeuten.

Um dies zu vermeiden, kann das Auslagern der Privatliquidation an einen professionellen Abrechnungsservice durchaus sinnvoll sein. Professionelle Abrechnungsstellen haben ihre Kernkompetenz in der Abrechnung privatärztlicher Leistungen und sind immer auf dem Laufenden, was Anpassungen der Gebührenordnungen für Ärzte, Zahnärzte oder Psychotherapeuten betrifft.

Häufige Fragen zur Privatabrechnung

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Wir bitten um Verständnis, dass wir zugunsten eines besseren Leseflusses in unseren Beiträgen nur eine Geschlechtsform verwenden, allerdings stets alle Geschlechtsformen gemeint sind. Zudem sind die Informationen in unserem Blog ohne jede Gewähr und Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne und kann und soll diese nicht ersetzen. Konsultieren Sie bei Bedarf gerne einen geeigneten Rechtsanwalt.

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