Was ist der Regelhöchstsatz (Schwellenwert)?

Lexikon

Der Regelhöchstsatz (auch Schwellenwert genannt) ist der Gebührensatz, den Ärzte und Zahnärzte üblicherweise bei einer ärztlichen oder zahnärztlichen Privatleistung ohne schriftliche Begründung berechnen können. Grundlage für die private Leistungsabrechnung bilden die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Gebühren nach dem Regelhöchstsatz liegen meist über den Gebühren, die für eine vertragsärztliche Leistung vorgesehen sind.

Werden ärztliche oder zahnärztliche Leistungen erbracht, kommt bei der Abrechnung mit der Privaten Krankenversicherung (PKV) sowie auch bei Leistungen, die nicht im Rahmen einer Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgedeckt sind (z.B. sogenannte Individuellen Gesundheitsleistungen – kurz IGeL), die GOÄ oder die GOZ zum Einsatz. In diesen Fällen rechnen Sie als Arzt oder Zahnarzt direkt mit dem Patienten ab.

Privatversicherte reichen die Rechnung im Rahmen einer Kostenerstattung bei ihrer Privaten Krankenversicherung ein und gesetzlich Versicherte tragen die Kosten ganz oder teilweise eigenständig. Entsprechend sind GOÄ und GOZ nicht nur bei Privatversicherten, sondern auch bei gesetzlich Versicherten bei der Abrechnung in der Arztpraxis relevant. Auch kann Ihr Patient eine Krankenzusatzversicherung abschließen, um sich neben der Gesetzlichen Krankenversicherung optimal abzusichern.

Wie berechnet sich der Regelhöchstsatz (Schwellenwert)?

Um als Arzt oder Zahnarzt zu ermitteln, welche Gebühren bei Leistungen berechnet werden können, greifen Sie auf den Leistungskatalog der jeweiligen Gebührenordnung zurück. Die jeweilige Gebühr ergibt sich durch die Multiplikation des sogenannten Einfachsatzes mit einem Steigerungsfaktor.

Wie werden GOÄ-Ziffern korrekt gesteigert? In unserem Ratgeber zum Thema Steigerungsfaktoren erhalten Sie alle Hintergründe.

Jeder in der GOÄ oder GOZ aufgeführten Leistung bzw. Ziffer ist eine Punktzahl zugewiesen. Multiplizieren Sie diese Zahl mit dem festgelegten Punktwert, so ergibt sich der Einfachsatz (auch: Grundgebühr). Der Punktwert wird durch den Gesetzgeber bestimmt und liegt aktuell (Stand Januar 2023) bei 5,82873 Cent (GOÄ) und 5,62421 Cent (GOZ).

Da der Einfachsatz einer unterdurchschnittlich schwierigen und zeitaufwendigen Leistung entspricht, rechnen Ärzte in vielen Fällen den Regelhöchstsatz ab. Der Regelhöchstsatz bildet eine übliche Leistung mit durchschnittlichem Zeitaufwand und Schwierigkeitsgrad ab. Ausgehend von der Grundgebühr einer Leistung ergibt sich der Regelhöchstsatz durch dessen Multiplikation mit einem Steigerungssatz.

Ob ein höherer Steigerungsfaktor gerechtfertigt ist, bemisst sich an folgenden Faktoren (§ 5 Abs. 2 GOÄ):

  • Schwierigkeit der Leistung bzw. des Krankheitsfalls
  • Zeitaufwand der Leistung
  • Umstände bei der Leistungserbringung

Hinweis:
Mit welchem Faktor in der GOÄ multipliziert wird, hängt unter anderem davon ab, welchem Gebührenrahmen die GOÄ-Ziffer zugeordnet ist. Über den Steigerungsfaktor des jeweiligen Gebührenrahmens können Sie die Gebühr einer Leistung entsprechend dem entstandenen Aufwand anpassen und den Einfachsatz bis zum Regelhöchstsatz steigern, ohne eine Begründung angeben zu müssen.

Welche Steigerungsfaktoren werden je nach Gebührenrahmen in der GOÄ zur Berechnung des Regelhöchstsatzes verwendet?

Die drei zentralen Gebührenrahmen der GOÄ sowie die jeweils geltenden Steigerungsfaktoren, mit denen Sie als Arzt den Regelhöchstsatz einer Leistung ermitteln, haben wir Ihnen in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt:

Bezeichnung des Gebührenrahmens Inhalt Grundlage in der GOÄ Abschnitte Faktor-Spanne
Ärztlicher Gebührenrahmen (großer Gebührenrahmen) Persönlich-ärztliche Leistungen § 5 Abs. 2 GOÄ Abschnitte B, C, D, F, G, H, I, J, K, L, N, P 1,0 bis 3,5
Technischer Gebührenrahmen (kleiner Gebührenrahmen) Medizinisch-technische Leistungen § 5 Abs. 3 GOÄ Abschnitte A, E und O 1,0 bis 2,5
Gebührenrahmen für Laborleistungen Laborleistungen § 5 Abs. 4 GOÄ Abschnitt M und Nummer 437 1,0 bis 1,3

Der Regelhöchstsatz nach der GOZ wird ebenfalls durch die Multiplikation des Einfachsatzes mit dem Steigerungsfaktor 2,3 berechnet (§ 5 Abs. 2 GOZ). In der Gebührenordnung für Zahnärzte gibt es nur einen Gebührenrahmen.

Beispielrechnung zum Regelhöchstsatz nach der GOÄ

Nehmen wir beispielhaft an, dass Sie als Arzt eine symptombezogene Untersuchung nach der GOÄ-Ziffer 5 bei einem Patienten durchführen, ergibt sich der Regelhöchstsatz wie folgt:

  1. Ermitteln Sie zunächst das Honorar nach dem Einfachsatz (Punktzahl * Punktwert):
    80 * 0,0582873 Euro = 4,66 Euro
  2. Berechnen Sie dann das Honorar nach dem Regelhöchstsatz (Einfachsatz * Steigerungsfaktor):
    4,66 Euro * 2,3 = 10,72 Euro

Wichtig:
Da die symptombezogene Untersuchung Teil des ärztlichen Gebührenrahmens ist, können Sie als Arzt den Steigerungsfaktor 2,3 verwenden, um den Regelhöchstsatz zu ermitteln. Die Gebühr wird immer auf die zweite Nachkommastelle gerundet. Bei einem Wert unter 0,5 wird abgerundet und einem Wert ab 0,5 aufgerundet.

Was Sie als Arzt beachten müssen, wenn Sie einen Gebührensatz oberhalb des Regelhöchstsatzes veranschlagen

Wird auch der Regelhöchstsatz der erbrachten Leistungen in ihrem Umfang, Zeitaufwand und Schwierigkeitsgrad nicht gerecht, können Sie als Arzt bei einer überdurchschnittlichen Leistung bis zum sogenannten Höchstsatz steigern. Dann wird der 3,5-fache (persönlich-ärztliche Leistung), 2,5-fache (technische Leistung) oder 1,3-fache Satz (Laborleistung) berechnet. Bis zum Regelhöchstsatz ist keine schriftliche Begründung durch Sie als Arzt notwendig. Diese ist erst erforderlich, wenn der Schwellenwert überschritten wird (demnach bei Steigerungsfaktoren zwischen dem Regelhöchst- und Höchstsatz).

Sie können Ihre Leistungen auch mit Steigerungsfaktoren oberhalb des Höchstsatzes abrechnen. Hierzu müssen Sie jedoch mit Ihrem Patienten noch vor Beginn der eigentlichen Behandlung eine individuelle Honorarvereinbarung schließen.

Wie kommt eine Honorarvereinbarung zustande? Alle Informationen erhalten Sie in unserem Ratgeber zum Thema Honorarvereinbarung.

Die Besonderheiten der Abrechnung bei Regelhöchstsatz, Höchstsatz und höheren Gebührensätzen im Überblick

Zusammengefasst sollten Sie folgende Aspekte beachten, wenn Sie über den Ansatz des richtigen Satzes bei der Erbringung einer ärztlichen oder zahnärztlichen Leistung entscheiden:

Einfachsatz
(unterdurchschnittliche Leistung)
Regelhöchstsatz
(durchschnittliche Leistung)
Höchstsatz
(überdurchschnittliche Leistung)
Persönlich-ärztliche Leistung (GOÄ) 1,0 2,3 3,5
Medizinisch-technische Leistung (GOÄ) 1,0 1,8 2,5
Laborleistung (GOÄ) 1,0 1,15 1,3
Zahnärztliche Leistung (GOZ) 1,0 2,3 3,5
Begründung nicht notwendig nicht notwendig notwendig

Gibt es auch in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen Regelhöchstsatz?

Bei der Abrechnung von Leistungen, die Sie als Arzt oder Zahnarzt bei gesetzlich Versicherten erbringen und die von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden, gibt es keine Steigerungsfaktoren und damit auch keinen Regelhöchstsatz. Hier wird nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) und dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA) abgerechnet. Ausgenommen hiervon sind privatärztliche Leistungen, die nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden.

Häufige Fragen zum Regelhöchstsatz

Der Regelhöchstsatz wird auch Schwellenwert genannt und kommt bei der Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) zum Einsatz. Bei einer durchschnittlichen Leistung berechnen Ärzte üblicherweise den Regelhöchstsatz, da bis zu diesem Schwellenwert keine schriftliche Begründung erforderlich ist.

Der Höhe des einfachen Gebührensatzes ist davon abhängig, mit welcher Punktzahl die jeweilige Leistung in der GOÄ oder GOZ bewertet ist. Durch Multiplikation dieser Punktzahl mit dem aktuell geltenden und vom Gesetzgeber festgelegten Punktwert errechnet sich der Einfachsatz. Wird dieser dann gesteigert, können der Regelhöchstsatz und Höchstsatz einer Leistung ermittelt werden.

Lässt sich eine von Ihnen als Arzt erbrachte Leistung nicht anhand ihres Regelhöchstsatzes nach Zeitaufwand, Schwierigkeit und Umständen abbilden, können Sie einen höheren Satz veranschlagen. Bis zum Höchstsatz, der sich je nach Gebührenrahmen mit einem Steigerungsfaktor von maximal 3,5 ergibt, können Sie als Arzt ohne eine separate Honorarvereinbarung steigern. Zwischen dem Regelhöchstsatz und dem Höchstsatz benötigen Sie eine schriftliche Begründung.

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