Eine Online-Rezeption ist ein digitales Organisationstool. Sie dient als Anlaufstelle, über die Patientenanfragen gebündelt in einer Arztpraxis eingehen und organisiert bearbeitet werden können. Ziel ist es, die Aufgaben des Praxisempfangs bestenfalls automatisiert zu bearbeiten, mindestens aber so zu sortieren und vorzubereiten, dass das Bearbeiten durch die Medizinischen Fachangestellten anschließend möglichst zeiteffizient ablaufen kann.
Zu den Aufgaben, die mit einer Online-Rezeption abgedeckt werden können, zählen zum einen die Terminvereinbarung, die digitale Anamnese, ein datenschutzkonformer Dokumentenversand sowie das Rezept-, Überweisungs- und AU-Management.
Je nach Anbieter und Funktionsumfang liegen die monatlichen Kosten in der Regel zwischen rund 80 und 400 Euro netto zuzüglich Umsatzsteuer. Viele Anbieter liefern jedoch keine öffentlichen Preisangaben; in diesen Fällen ist es erforderlich, dass Sie ein individuelles Angebot anfordern.
Im folgenden Anbieter-Vergleich finden Sie die wichtigsten Anbieter von Online-Rezeptionen für Arztpraxen im Überblick. So erkennen Sie schnell, welche Online-Rezeption zu Ihren Abläufen und Anforderungen passt.
Tipp: Prüfen Sie vorab die PVS-Schnittstelle
Damit Online-Rezeption und Praxisverwaltungssoftware (PVS) sauber zusammenspielen, sollten Sie vor dem Start klären, ob eine direkte Integration verfügbar ist und welche Daten synchronisiert werden. Fragen Sie den Anbieter konkret nach einer PVS-Schnittstelle oder einer API-Integration, zum Beispiel auf Basis von FHIR, HL7, GDT oder einer JSON-API. DICOM ist vor allem dann relevant, wenn auch Bilddaten oder bildgebundene Befunde eingebunden werden sollen.
Das allgemeine Ziel einer Online-Rezeption besteht darin, Praxisprozesse zu digitalisieren und zu automatisieren. Dies kann unter anderem durch das Online-Terminmanagement, die digitale Patientenaufnahme, Messenger, ein digitales Rezept-, Überweisungs- und AU-Management sowie einen ergänzenden KI-Telefonassistenten erfolgen.
Im Mittelpunkt der Online-Rezeption steht ein strukturierter Terminprozess, der Buchung, Verwaltung und Vorbereitung möglichst effizient gestaltet.
- Online-Terminmanagement: Die Online-Rezeption bündelt den gesamten Terminprozess an einem Ort, von der Terminbuchung über die Terminverwaltung bis zur automatisierten Terminerinnerung.
- Terminbuchung: Patienten buchen Termine digital oder können sich auf eine Warteliste setzen lassen. Die Termine werden mit der Praxisverwaltungssoftware synchronisiert.
- Terminverwaltung: Ihr Praxisteam kann die Termine anschließend direkt aus der Online-Rezeption heraus bestätigen, verschieben oder absagen.
- Terminerinnerung: Terminerinnerungen können automatisiert per E-Mail oder SMS verschickt werden, um No-Shows zu reduzieren.
- Digitale Patientenaufnahme: Patienten übermitteln Stammdaten und Formulare bereits vor dem Termin an die Praxis, um eine bestmögliche Vorbereitung zu ermöglichen (z. B. digitale Anamnese).
Anliegen werden zentral erfasst, vorsortiert und gezielt an das Praxisteam weitergeleitet.
- Messenger-Funktion: Über eine Chat-Funktion erhalten Patienten die Möglichkeit, organisatorische Rückfragen zu stellen (z. B. zum Praxisablauf, Parkplätzen, Öffnungszeiten, offener Sprechstunde usw.). Teilweise können Anfragen bereits mithilfe von Künstlicher Intelligenz automatisiert beantwortet werden. In den sonstigen Fällen werden die Anfragen an Ihr Praxisteam weitergeleitet.
- KI-Telefonassistent: Der KI-Telefonassistent nimmt Anrufe entgegen und beantwortet Patientenanliegen nach Möglichkeit eigenständig. Anliegen, die die KI nicht lösen kann, werden erfasst und strukturiert an die Praxis weitergegeben.
- Vorsortierung von Patientenanliegen: E-Mails und Anrufe werden bereits im Vorfeld kategorisiert und vorbearbeitet, sodass Ihre MFA gleichartige Anliegen gebündelt bearbeiten können.
Viele Leistungen lassen sich digital anstoßen und datenschutzkonform abwickeln.
- Datenschutzkonformer Dokumentenaustausch: Die Online-Rezeption ermöglicht den sicheren Versand und Empfang sensibler Dokumente. Das gilt sowohl für die Kommunikation mit Patienten als auch mit Zuweisern.
- Rezept-, Überweisungs- und AU-Management: Patienten können Rezepte, Überweisungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) direkt über die Online-Rezeption anfragen. Ihre MFA wiederum können diese daraufhin erstellen und an den Patienten versenden.
- Recall-Management: Die Online-Rezeption erinnert Patienten mithilfe eines Recall-Systems automatisch an Kontrolltermine oder Nachsorgetermine und unterstützt damit die Terminplanung.
Die Online-Rezeption sorgt für klare Zuständigkeiten im Team und reduziert Rückfragen im Alltag.
- Smarte Mitarbeiterzuweisung: Die Online-Rezeption priorisiert Anliegen und weist sie automatisch dem zuständigen MFA oder einem entsprechenden Team zu.
- Digitale Kontaktdokumentation: Die Online-Rezeption dokumentiert Anfragen, Chatverläufe und Bearbeitungsstände, damit alles nachvollziehbar bleibt.
- Team-Zusammenarbeit: Die Online-Rezeption unterstützt die interne Abstimmung, indem sie interne Chats, Aufgabenverteilung und Nutzerverwaltung bereitstellt.
Eine reibungslose Synchronisation zwischen Online-Rezeption und Praxissoftware sowie fundierte Auswertungen helfen, Abläufe messbar zu verbessern.
- Tool- und Schnittstellen-Integration: Die Online-Rezeption lässt sich je nach Anbieter über Schnittstellen mit der Praxissoftware und weiteren Tools verbinden.
- Controlling und Reporting: Die Online-Rezeption stellt Auswertungen zu Terminarten, Auslastung und häufigen Anliegen bereit, um Prozesse zu verbessern.
Tipp: Nutzen Sie die Schulungen der Anbieter
Damit Sie und Ihr Praxisteam die zahlreichen Funktionen der Online-Rezeption letztlich einwandfrei nutzen und die Vorteile möglichst vollständig ausschöpfen können, bieten einige Anbieter entsprechende Schulungen an. Diese erfolgen entweder in Form von allgemeingültigen Webinaren oder in individueller Form, optimal auf Ihre Praxis und Ihre Anwendungsfälle zugeschnitten. Eine Schulung ermöglicht den kurzfristigen, schnellen Einstieg in das neue Tool und verringert die Anzahl an Fragen und Problemen, die im Laufe der Einführungsphase auftreten und geklärt werden müssen.
Eine Online-Rezeption verbessert die Abläufe in der Arztpraxis, entlastet das Praxisteam und ermöglicht Patienten eine schnellere Bearbeitung ihrer Anliegen.
Für die Praxisorganisation zählen vor allem Planbarkeit, Effizienz und eine einfache Integration in den Praxisalltag.
- Zeitersparnis: Standardanfragen werden automatisiert oder vorsortiert, sodass Ihr Praxisteam pro Anliegen deutlich weniger Zeit benötigt.
- Höhere Effizienz: Praxisprozesse werden digital gebündelt, wodurch Abläufe standardisiert und schneller abgearbeitet werden können.
- Zentralisierte Patientenanfragen: Termine, Nachrichten und Dokumente laufen in einem System zusammen, sodass weniger Kanäle parallel betreut werden müssen.
- Orts- und zeitunabhängige Bearbeitung: Ihr Praxisteam kann Anliegen flexibel bearbeiten, je nach Rollen und Zuständigkeiten im Team.
- Geringere No-Show-Rate: Automatische Terminerinnerungen per E-Mail oder SMS reduzieren Termin-Ausfälle und verbessern die Planbarkeit.
- Reduktion der Personalkosten: Automatisierung und bessere Prozesssteuerung können den Personalaufwand pro Patient und somit die Personalkosten spürbar senken.
- Moderne Außenwirkung: Eine Online-Rezeption stärkt den digitalen Eindruck Ihrer Praxis und signalisiert zeitgemäße Patientenkommunikation.
- Einfache Einbindung: Die Online-Rezeption lässt sich oft unkompliziert als Widget auf der Praxiswebsite integrieren und je nach Anbieter mit dem Praxistelefon verbinden.
Ihr Praxisteam profitiert vor allem von weniger Unterbrechungen, weniger Telefonstress und klareren Prozessen.
- Entlastung der MFA: Anfragen werden zentral gebündelt und vorsortiert, sodass Ihr Praxisteam seltener zwischen Aufgaben wechseln muss.
- Bessere Aufgabenpriorisierung: Anliegen werden strukturiert erfasst und priorisiert, sodass Bearbeitungszeiten und Rückfragen reduziert werden.
- Weniger Unterbrechungen am Empfang: Durch die Online-Rezeption erhält Ihr Praxisteam die meisten Anfragen in schriftlicher, digitaler Form, wodurch am Praxisempfang weniger Unterbrechungen (z. B. durch Anrufe) entstehen.
- Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit: Weniger Telefonstress und weniger Ad-hoc-Unterbrechungen sorgen für einen ruhigeren Praxisalltag und zufriedenere Mitarbeiter.
Für Patienten ermöglicht die Online-Rezeption vor allem eine bessere Erreichbarkeit und schnellere Rückmeldungen.
- Bessere Erreichbarkeit: Patienten können Anliegen rund um die Uhr digital übermitteln, auch bei hohem Telefonaufkommen und außerhalb der Sprechzeiten.
- Schnellere Rückmeldungen: Patienten müssen seltener anrufen oder Zeit in der Warteschleife verbringen, da viele Anliegen bereits digital und automatisiert geklärt werden können.
- Steigerung der Patientenzufriedenheit: Durch die bessere Erreichbarkeit Ihrer Praxis und die schnellere Bearbeitung ihrer Anliegen, sind Ihre Patienten zufriedener.
Wie reagieren Patienten auf eine Online-Rezeption?
Mehrere Studien und Umfragen zeigen, dass Patienten digitale Praxisservices aktiv wünschen und als hilfreich bewerten. Die oben genannten Vorteile sind somit nicht nur Marketingversprechen der Anbieter, sondern werden von Patienten wahrgenommen und wertgeschätzt.
- Hohe Nachfrage nach Online-Terminen: 50 Prozent der Deutschen haben bereits einen Arzttermin online gebucht. 73 Prozent möchten auf diese Möglichkeit nicht mehr verzichten (Bitkom e.V., 2024).
- Terminerinnerungen und digitale Kommunikation treffen den Bedarf: 60 Prozent wünschen sich Erinnerungen per E-Mail oder SMS (SPLENDID RESEARCH GmbH im Auftrag von samedi GmbH, 2019).
Wichtig: Nicht jeder Patient nutzt digitale Kanäle. Ein hybrider Empfang aus Online-Rezeption und persönlichem Kontakt bleibt sinnvoll.
Eine Online-Rezeption entlastet den Praxisalltag spürbar, sofern Prozesse und Technik sauber zusammenspielen. Die meisten der folgenden Stolpersteine lassen sich mit klaren Regeln, Zuständigkeiten und einer professionellen Integration vermeiden.
- Schnittstellen & Datenqualität: Wenn die Online-Rezeption nicht sauber mit Ihrer Praxisverwaltungssoftware (PVS) verknüpft ist, entstehen Doppelpflege und Fehler. Prüfen Sie daher frühzeitig, ob Termine, Stammdaten und Dokumente zuverlässig synchronisiert und welche Schnittstellen unterstützt werden.
- Datenschutz & Zugriffsschutz: Über die Online-Rezeption werden besonders sensible Gesundheitsdaten verarbeitet. Achten Sie darauf, dass der Anbieter Ihnen einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AV) zur Verfügung stellt, die Daten auf Servern in der EU verarbeitet, rollenbasierte Zugriffsrechte ermöglicht, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung unterstützt und die Daten verschlüsselt überträgt.
- Gesamtkosten: Neben der monatlichen Grundgebühr können Einmalkosten für Einrichtung, Schnittstellen, Support oder Schulungen anfallen. Prüfen Sie außerdem, welche Funktionen als Zusatzmodule separat berechnet werden und welche Funktionen in Ihrem präferierten Paket tatsächlich enthalten sind.
- Terminlogik: Die digitale Terminverwaltung spart nur dann Zeit, wenn Terminarten, Zeitfenster und Regeln klar definiert sind. Sonst entstehen falsche Buchungen und Rückfragen. Hilfreich ist, wenn Sie Termingrund, Versicherungsart und Kontaktdaten im Buchungsprozess als Pflichtangaben anlegen. Zusätzlich reduzieren feste Buchungsregeln und automatische Terminbestätigungen Fehlbuchungen und No-Shows.
- Einführung im Team: Ohne klare Zuständigkeiten und kurze Schulungen nutzt das Team die Online-Rezeption uneinheitlich. Definieren Sie Workflows, Verantwortliche und eine kurze Einführungsphase mit Testbetrieb.
- Akzeptanz bei Patienten: Nicht jeder Patient nutzt gleichermaßen gern Online-Termine, Chats oder digitale Formulare. Seien Sie daher für digital-aversere Zielgruppen weiterhin telefonisch sowie persönlich erreichbar.
- Ausfallszenarien: Für den Fall, dass die Internetverbindung in der Praxis oder die Anbieterplattform vorübergehend nicht verfügbar ist, muss gewährleistet sein, dass Termine und Anliegen trotzdem angenommen werden können. Legen Sie dafür einen Ersatzweg fest, zum Beispiel die telefonische Erreichbarkeit inkl. Rückruf-Funktion, und regeln Sie im Team klar, wer in derartigen Fällen welche Aufgaben übernimmt.
Eine Online-Rezeption ist grundsätzlich für nahezu jede Praxisform geeignet. Entscheidend ist weniger die Praxisart als der benötigte Funktionsumfang. Dieser hängt vor allem von Praxisgröße, Patientenaufkommen und den internen Abläufen ab.
Als Faustregel gilt:
Je größer die Praxis, desto wichtiger sind Funktionen wie strukturierte Workflows, smarte Zuweisung im Team und eine zuverlässige Anbindung an die Praxisverwaltungssoftware (PVS).
In der Praxis wird eine Online-Rezeption unter anderem in folgenden Einrichtungen genutzt:
- Einzelpraxen: Hausarztpraxen und Facharztpraxen nutzen eine Online-Rezeption häufig, um Termine digital zu organisieren und Patientenanfragen strukturiert zu erfassen.
- Zahnarztpraxen: Zahnarztpraxen setzen eine Online-Rezeption oft ein, um Termine zu verwalten, digitale Formulare bereitzustellen und organisatorische Rückfragen zu bündeln.
- Gemeinschaftspraxen: In Gemeinschaftspraxen unterstützt eine Online-Rezeption die Koordination mehrerer Behandler, verschiedener Terminarten und paralleler Sprechstunden.
- Medizinische Versorgungszentren (MVZ): MVZ nutzen eine Online-Rezeption, um hohe Anfragevolumen zu zentralisieren, Zuständigkeiten zu steuern und Abläufe zu standardisieren.
- Kliniken: Kliniken können eine Online-Rezeption insbesondere in Ambulanzen und Sprechstunden nutzen, um die Erreichbarkeit zu verbessern und Termine gezielter zu steuern.
- Therapeutische Praxen: Therapeutische Praxen (z. B. Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie oder Podologie) nutzen eine Online-Rezeption ebenfalls unter anderem zur Terminverwaltung.
Eine Online-Rezeption lässt sich in der Regel ohne großen technischen Aufwand in den Praxisalltag einbinden. In vielen Fällen erfolgt der Zugriff über den Webbrowser, sodass in der Praxis keine zusätzliche Software installiert werden muss. Entscheidend ist vor allem, dass die Lösung zu Ihren Abläufen in Ihrer Arztpraxis passt und sich sinnvoll mit Ihrer Praxisverwaltungssoftware (PVS) verbinden lässt.
Eine Online-Rezeption wird bestenfalls schrittweise eingeführt, damit Abläufe, Zuständigkeiten und Technik gründlich aufeinander abgestimmt werden können. Die folgenden sechs Schritte haben sich in der Praxis bewährt:
- Bedarf klären: Sie legen fest, welche Anliegen digital und ggf. automatisiert bearbeitet werden sollen und um welche Fälle Sie sich weiterhin telefonisch oder persönlich am Empfang kümmern möchten.
- Anbieter auswählen & Voraussetzungen prüfen: Sie vergleichen passende Anbieter anhand Ihres Bedarfs und prüfen frühzeitig, ob eine Schnittstelle zu Ihrer Praxisverwaltungssoftware und eventuell weiteren relevanten Tools möglich ist. Prüfen Sie außerdem, ob die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen wie AV, EU-Serverstandort und Zugriffsschutz gegeben sind.
- Einrichtung & Konfiguration: Sie richten Terminarten, Formulare, Zuständigkeiten und Textbausteine ein und individualisieren die Online-Rezeption anhand Ihrer Praxisabläufe.
- Technische Einbindung: Sie machen die Online-Rezeption für Patienten erreichbar, zum Beispiel als Widget oder Link auf Ihrer Praxiswebsite oder über einen QR-Code auf Flyern oder Aufstellern. Optional binden Sie zusätzlich einen KI-Telefonassistenten an.
- Onboarding im Team: Sie vergeben Rollen und Rechte, schulen Ihr Praxisteam und testen typische Anwendungsfälle.
- Testphase & Feinschliff: Sie nutzen die Online-Rezeption im laufenden Betrieb und passen Regeln, Formulare und Abläufe anhand der Rückmeldungen aus dem Praxisalltag an.
Je nach Anbieter und Setup nutzen Arztpraxen zur Implementierung der Online-Rezeption meist eine oder mehrere der folgenden Varianten:
- Website-Widget: Die Online-Rezeption wird als Widget auf Ihrer Praxiswebsite eingebunden, sodass Patienten direkt dort Anliegen übermitteln oder Termine anfragen können.
- Link zur Patientenoberfläche: Alternativ führen Sie Patienten über einen Button oder Link auf eine sichere Online-Seite des Anbieters.
- QR-Code und Kurzlink: Viele Praxen nutzen zudem QR-Codes auf Terminzetteln oder in E-Mails, damit Patienten den digitalen Zugang zur Online-Rezeption schnell finden.
- KI-Telefonassistent: Je nach Anbieter ist neben der Online-Rezeption auch eine telefonische Anbindung möglich. Ein KI-Telefonassistent beantwortet häufige Fragen automatisiert, während komplexere Anliegen strukturiert erfasst und zur Bearbeitung an die Praxis weitergeleitet werden.
Tipp: Ein gemeinsamer Posteingang vereinfacht die Bearbeitung
Bestenfalls laufen Anliegen aus Website und Telefon in einem gemeinsamen Posteingang zusammen. So behält Ihr Praxisteam auch bei mehrfacher Kontaktaufnahme durch einen Patienten den Überblick und das mehrfache Bearbeiten desselben Anliegens wird vermieden.
Für eine Online-Rezeption sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AV, auch AVV genannt), eine sichere Datenübertragung, der Zugriffsschutz und eine EU-konforme Datenverarbeitung zentrale Voraussetzungen. Da in Arztpraxen besonders sensible Gesundheitsdaten verarbeitet werden, ist es im Rahmen einer Online-Rezeption besonders wichtig, dass die rechtlichen Vorgaben zum Schutz der Patientendaten erfüllt werden.
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AV): Wenn der Anbieter Daten für Ihre Praxis verarbeitet, benötigen Sie einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AV), der sämtliche Pflichtinhalte umfasst. Prüfen Sie dabei auch Unterauftragnehmer und Weisungsrechte (Art. 28 Abs. 3 DSGVO).
- Technische und organisatorische Maßnahmen (TOM): Die Online-Rezeption muss angemessene technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz der Patientendaten bieten, die Sie wiederum umsetzen müssen (Art. 32 DSGVO). Dazu zählen unter anderem:
- Verschlüsselte Datenübertragung: Der Anbieter sollte eine verschlüsselte Datenübertragung unterstützen, z. B. durch TLS oder eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. So werden Daten beim Versand besser vor unbefugtem Zugriff geschützt.
- Zugriffsschutz & Zwei-Faktor-Authentifizierung: Die Online-Rezeption sollte rollenbasierte Zugriffsrechte ermöglichen und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung anbieten. So integrieren Sie eine zweite Sicherheitsinstanz bei der Zugriffskontrolle.
- Protokollierung: Die Online-Rezeption sollte Zugriffe, Änderungen und Datenexporte protokollieren, damit unberechtigte Aktivitäten schneller erkannt und geprüft werden können.
- Backups: Der Anbieter sollte regelmäßige Datensicherungen durchführen, um die Verfügbarkeit der Daten auch bei Störungen gewährleisten und die Daten im Notfall wiederherstellen zu können.
- Ausfallsicherheit: Die Online-Rezeption sollte über Maßnahmen verfügen, die die Verfügbarkeit der Systeme absichern, zum Beispiel mit Ausfallsicherung, laufender Systemüberwachung und klaren Supportfristen bei Störungen.
- Regelmäßige Sicherheitsupdates: Durch ein sogenanntes Patch- und Update-Management sollte der Anbieter regelmäßig Sicherheitsupdates einspielen und Schwachstellen zeitnah beheben, damit die Online-Rezeption dauerhaft auf einem aktuellen Sicherheitsniveau bleibt.
- Regelmäßige Prüfung der Sicherheitsmaßnahmen: Es sollte ein Verfahren geben, mit dem technische und organisatorische Maßnahmen regelmäßig getestet, bewertet und verbessert werden, damit Schutzmaßnahmen nicht veralten.
- Serverstandort & Drittlandtransfer: Idealerweise werden Daten in der EU verarbeitet, um datenschutzrechtlichen Prüfaufwand zu reduzieren. Bei Verarbeitung außerhalb der EU müssen die Vorgaben für Drittlandtransfers erfüllt sein (Art. 44 bis 49 DSGVO).
- Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA): Je nach Umfang und Risiko der Verarbeitung kann eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein. Das betrifft vor allem Verarbeitungen mit voraussichtlich hohem Risiko für Betroffene (Art. 35 DSGVO).
- Datenschutzbeauftragter: Ein Datenschutzbeauftragter kann je nach Tätigkeit oder Umfang der Verarbeitung nötig sein (Art. 37 DSGVO). In Deutschland gilt zusätzlich die Schwelle, dass ein Datenschutzbeauftragter ernannt werden muss, wenn in der Praxis mindestens 20 Personen ständig automatisiert Daten verarbeiten (§ 38 BDSG).
- Transparente Patienteninformation: Sie müssen Patienten verständlich darüber informieren, welche Daten Sie zu welchem Zweck verarbeiten. Das passiert meist über die Datenschutzerklärung und ggf. ergänzende Hinweise in der Online-Rezeption (Art. 12 bis 14 DSGVO).
- Ärztliche Schweigepflicht: Die Schweigepflicht gilt auch bei digitalen Prozessen unverändert. Stellen Sie sicher, dass der Anbieter sie organisatorisch und technisch unterstützt (§ 203 StGB).
Eine Online-Rezeption ist für nahezu jede Arztpraxis geeignet, wenn der Funktionsumfang zur Praxisgröße passt. Besonders stark ist der Nutzen bei hohem Anfragevolumen, wiederkehrenden Anliegen und klaren Terminprozessen. Wichtig sind eine zuverlässige Synchronisation zwischen der Online-Rezeption und Ihrer Praxissoftware sowie klare Buchungsregeln und ein strukturierter Rollout mit Onboarding und Testphase. So werden Vorteile wie Zeitersparnis, bessere Priorisierung und höhere Patientenzufriedenheit in der Praxis wirklich spürbar.