Löschung, Richtigstellung oder Beweispflicht

Negative Arzt-Bewertung löschen lassen – so gehen Ärzte vor

Praxisalltag

Bewertungstexte und Ratings in Ärztebewertungsportalen sind bereits seit einigen Jahren gang und gäbe in Sachen externes Praxismarketing. Doch nicht immer handelt es sich dabei um positive Bewertungen. Auch Beschwerden oder Kritik von unzufriedenen Patienten sind Teil dieses Systems, das ein wichtiges Zahnrad beim Reputationsaufbau einer Praxis ist. Doch was ist, wenn eine negative Arzt-Bewertung auftaucht, die ungerechtfertigt ist? Was, wenn sie rufschädigend wirkt oder sogar als Schmähkritik anzusehen ist? Ärzte und Praxen haben verschiedene Möglichkeiten mit schlechten Bewertungen umzugehen: Löschung durch einen Anwalt, Klärung über das Bewertungsportal, eigenständiges Richtigstellen. Bei allen Optionen ist es wichtig, sehr besonnen vorzugehen und die Auswirkungen auf das Praxisimage zu bedenken.

Schlechte Bewertung löschen

Online-Bewertungen als wichtiger Teil des Praxismarketing

Arztbewertungsportale sind Stimmungsbildgeber und Reputationsanzeiger für Ärzte und Arztpraxen aller Fachrichtungen geworden. Immer mehr Ärzte begreifen diese Portale für Patientenbewertungen als effektives Medium der Kommunikation und als wichtigen Teil des Praxismarketings. Doch je mehr Patienten sich diesen Kommunikationskanal zu eigen machen, ihre Erfahrungen und Behandlungsergebnisse in die dortige Öffentlichkeit tragen, umso mehr werden die Ärzteportale auch zu einem Kritikschauplatz für unzufriedene Patienten. Nicht erst im Bereich des Praxismarketings ist nachgewiesen, dass vor allem Unzufriedene sich die Zeit nehmen, um über ihre Erfahrungen zu berichten. Das zeigt einmal mehr, das kontinuierliches Monitoring dessen, was im Netz über die eigene Praxis gesagt und geschrieben wird, wirklich wichtig ist. Durch diese regelmäßige eigene Überwachung der externen Kommunikation über die Praxis kann ein gutes Stimmungsbild der Patienten eingeholt und in konstruktive Verbesserung überführt werden. Doch was, wenn die Bewertung ungerechtfertigt, beleidigend oder schmähend verfasst wurde, mit dem Ziel einer Arztpraxis dadurch zu schaden? Dies ist mittlerweile kein Sonderfall mehr und sollte behandelt werden, bevor es zu größeren Imageschäden kommen kann.

Bewertungsportale im Internet

Doch von welcher Art falscher oder negativer Bewertungen sprechen wir hier eigentlich? Bei der reinen Schmähkritik handelt es sich um Bewertungen, die darauf ausgelegt sind, den Arzt persönlich oder die Praxis zu diffamieren und zu schädigen. Eine ernsthafte Bewertung auf Basis von echten Erlebnissen ist hier nicht zu erwarten. Gleiches gilt etwa auch für unwahre Behauptungen, also konkrete Lügen über eine mutmaßliche Behandlung des Arztes. Um hier eine bessere Einordnung zu ermöglichen, was eigentlich eine konstruktive Kritik und was eine ungerechtfertigte negative Bewertung ist, zeigen wir Ihnen im Folgenden kurz auf, wovon wir eigentlich gerade sprechen:

  • Es liegen rechtliche Verstöße vor, beispielsweise Beleidigung (§ 185 StGB), üble Nachrede (§ 186 StGB) oder auch Verleumdung (§ 187 StGB).
  • Die Bewertung ist bewusst rufschädigend, beispielsweise durch Schmähkritik oder mehrfache Bewertungen im gleichen Portal.
  • Die Bewertung ist bewusst unwahr formuliert, etwa weil es nachweislich keine Behandlung gab, die Behandlung bereits zu lange zurückliegt oder die Behandlung nachweislich anders als beschrieben stattgefunden hat.
  • Die Bewertung ist nicht eindeutig zuzuordnen, weil ein anderer als der behandelnde Arzt bewertet wurde oder die Bewertung durch einen unbeteiligten Dritten durchgeführt wurde.

All diese beispielhaft aufgeführten Bewertungen bieten einen guten grundlegenden Rahmen, um sinnhaft und rechtmäßig dagegen vorzugehen. Welcher Umstand konkret vorliegen muss, ist jedoch zumeist eine Einzelfallentscheidung. Daher sollte eine etwaige auffällige kritische Bewertung zunächst auf Zulässigkeit geprüft werden.

Negative Arzt-Bewertung löschen lassen – so gehen Ärzte vor
Schlechte Bewertung löschen

Wann eine Bewertung unzulässig ist

Für die Zulässigkeit einer negativen Bewertung gibt es keine pauschale Antwort. Hier gilt es für jede Seite Einzelinteressen abzuwägen und auch deren Schwere einzuordnen. Viele Ärzte versuchen sich daran selbst, jedoch ist eine objektive Betrachtung nur sehr selten möglich, da es um teils nur schwer nachweisbare Anschuldigungen geht. Der sicherere Weg geht hier über einen beratenden Dritten, etwa einen Fachanwalt. Zumeist stehen sich hier grundlegende Rechte wie das Persönlichkeitsrecht oder das Recht auf freie Meinungsäußerung gegenüber. In jedem Fall ist die Einordnung wichtig, ob die Bewertung nachweisbar als Tatsachenbehauptung formuliert ist oder auf der freien Meinungsäußerung basiert.

Kommunikationsfreiheit vs. schlechte Bewertung

Neben den zwei Parteien, um die es bei der Bewertung in einem Ärztebewertungsportal geht, kommen mit dem Portalbetreiber auch die Interessen eines Dritten hinzu. Hier spielt vor allem die Breitenwirkung des Anbieters und der dort enthaltenen Bewertungen eine große Rolle, da die Bewertungen in der Regel für jeden Internetnutzer frei einsehbar sein sollen. Dieses Interesse der breiten Öffentlichkeit an ärztlichen Dienstleistungen entspricht dahingehend der Kommunikationsfreiheit und wäre bei einer schlechten Bewertung mit dem Persönlichkeitsrecht und dem Recht auf freie Meinungsäußerung abzuwägen. Je nach Auslegung gilt entweder das Recht des Verfassers auf freie Meinungsäußerung, das Recht der Plattform auf Kommunikationsfreiheit im Sinne des öffentlichen Interesses oder eben das Persönlichkeitsrecht des bewerteten Arztes. Liegt letzteres vor, so kann der Arzt unangefochten gegen die negative Bewertung vorgehen.

Was können Ärzte gegen schlechte Bewertungen tun?

Eines ist bei aller unterschiedlicher Rechtsgrundlage aber auch klar: Ärzte und Arztpraxen jeder Art sind den Bewertungen und den Bewertungsportalen nicht komplett ausgeliefert und können auch nicht einfach so an den digitalen Pranger gestellt werden. Ist eine Abwägung der einzelnen Interessen erfolgt und entschließt sich der Arzt gegen eine Bewertung vorzugehen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die wir nun kurz erläutern.

Negative Bewertung löschen durch einen Fachanwalt

Viele Rechtsanwälte haben sich auf genau diese Fälle spezialisiert, in denen Ärzte durch eine Fehlbewertung diffamiert werden. Die Fachanwaltskanzleien sind dann vor allem im Medien- und Urheberrecht tätig, gelegentlich bieten aber auch Anwälte für Medizinrecht ihre Dienstleistungen in diesem Bereich an. Die Ansprechpartner prüfen in der Regel nach einem Erstgespräch, um welche Art von Rechtsverletzung es sich handeln könnte und wägen ab, welche Strategie beim Vorgehen am erfolgversprechendsten ist. Häufig wird hier bereits zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungsäußerung unterschieden. Im Anschluss eröffnen sich verschiedene Verfahrenswege. So etwa das Vorgehen gegen den Bewertenden, durch einen Anspruch auf Löschung oder Unterlassung, der bei einer unzulässigen, schlechten Bewertung besteht. Bei vielen Ärztebewertungsportalen sind jedoch auch anonyme Beurteilungen möglich, weshalb häufig ein Vorgehen gegen die Bewertungsplattform direkt der passende Weg ist, um die Bewertung offiziell löschen zu lassen. In jedem Fall ist eine umfassende Beratung notwendig, die häufig als Erstgespräch unverbindlich und kostenfrei bleibt. Auch bereits diese Erstberatung kann helfen. Wer einen Rechtsbeistand für die Löschung einer schlechten Bewertung sucht, kann dies zum Beispiel in der Anwaltsuche vom Deutschen Anwaltverein e. V. tun.

Ein wichtiger Tipp, der seitens zahlreicher Anwälte an die bewerteten Ärzte mitgegeben wird: Die negative Bewertung nicht selbst kommentieren! Hierbei besteht eine große Gefahr, dass unaufmerksam und ungewollt Zugeständnisse an den Bewertenden gemacht werden, die negative Auswirkungen auf das weitere Verfahren haben könnten.

Immer häufiger tauchen auch sogenannte Löschagenturen auf, die die Löschung als Dienstleistung an Ärzte verkaufen. Hier ist jedoch mit Vorsicht vorzugehen, denn die Agenturen verfügen nur über einen begrenzten Handlungsrahmen und können Ärzte beispielsweise nicht bei Gerichtsverfahren vertreten. Aufgrund dessen sind auch die Bewertungsportale wie Jameda, Sanego oder DocInsider häufig eher restriktiv in der Kommunikation mit derartigen Agenturen und reagieren nur spät oder gar nicht. Die Auswahl der beratenden Instanz sollte also gut überlegt sein.

Umgang mit Negativbewertung am Beispiel Jameda

Eines der größten Arztbewertungsportale im Netz ist Jameda. Das Portal hat sich seit seiner Gründung mit dem Thema der negativen Arzt-Bewertungen auseinandergesetzt und hat einige aufwändige Prozesse dafür etabliert und in seine Richtlinien aufgenommen. Kurzum: Verstößt eine Patientenbewertung gegen diese Richtlinien, kann eine Löschung der negativen Bewertung beantragt werden. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn die Ärzte müssen in diesem Fall eine umfassende Begründung darlegen, warum eine Bewertung nun gelöscht werden sollte. Redundante digitale und menschliche Prüfmechanismen überprüfen diesen Antrag dann und geben eine entsprechende Rückmeldung, ob dem Antrag auf Löschung nachgegangen werden kann oder nicht. Der Prozess dafür basiert auf fünf Schritten:

  1. Über den Button “Problem melden” unterhalb des jeweiligen Beitrags kann ein Antrag auf Löschung eingereicht werden.
  2. Die Kontaktdaten des Antragstellers (Arzt) müssen hinterlegt werden.
  3. Eine umfassende Freitext-Begründung dient als Grundlage für die darauffolgende Prüfung.
  4. Die betroffene Bewertung wird bis zur Klärung offline gestellt.
  5. Wird dem Antrag stattgegeben und ist die Bewertung unrechtmäßig, löscht Jameda diese umgehend.

Wird der Antrag durch Jameda abgelehnt empfiehlt das Portal Unterstützung durch einen Fachanwalt einzuholen.

Kosten der Bewertungslöschung

Wir haben nun umfassend erläutert, wie man als Arzt auf eine schlechte Bewertung reagieren kann. Aber was kostet es eigentlich eine Negativbewertung löschen zu lassen? Auch hierauf gibt es natürlich keine pauschale Antwort, da jeder Fall unterschiedlich ist. Im besten Fall ist die Bewertung eindeutig unzulässig und dies wird auch umgehend durch das entsprechende Portal so geprüft und bewertet. In diesem Fall erfolgt die Löschung der Bewertung in der Regel ohne weitere Kosten für den betroffenen Arzt.

Ist der Fall etwas unklarer und müssen die Bewertung, der Sachverhalt und die gegenseitigen Interessen zunächst geprüft werden, ist es ratsam sich zumindest Beratung dazu einzuholen. In diesem Fall kommen dann die Anwaltshonorare auf den Arzt zu, hier kann jedoch im Vorfeld eine Kostenaufstellung angefragt werden. Wird in einem nächsten Schritt ein Rechtsverfahren angestoßen und Klage erhoben, um eine schlechte Bewertung entfernen zu lassen, ist zudem auch mit den Verfahrenskosten des Gerichts zu planen. Diese können sich je nach Dauer des Verfahrens auch enorm steigern. Hierbei ist es immer ratsam, den Verfasser der entsprechenden Arzt-Bewertung benennen und identifizieren zu können. Unter Umständen wird es dann möglich sein, die Anwaltskosten in Form von Schadensersatz zurückzuerhalten. Aber es gibt auch Möglichkeiten die Kosten umzulegen. Wer etwa eine Rechtsschutzversicherung hat, kann hier prüfen, ob diese Betreuung gedeckt wird. In diesem Fall übernimmt die Versicherung die Kosten.

Unsere Top-Tipps zum Umgang mit Patienten-Bewertungen

  • Kontinuierliches Monitoring
  • Bewertungsmanagement: Reaktion auf positive Bewertung oder konstruktive Kritik
  • Aber Vorsicht! Unzulässige, negative Bewertungen sollten nicht kommentiert werden, um nicht versehentlich falsche Zugeständnisse an den Bewertenden zu machen.
  • Bewertungsrichtlinien des jeweiligen Portals kennen
  • Nachweispflicht des jeweiligen Portals beanspruchen
  • Bei Bedarf: Fachanwalt hinzuziehen

Kostenlos Abrechnungsstellen vergleichen

Jetzt im Abrechnungsstellen-Vergleich die passende Abrechnungsstelle finden. Kostenfrei und unverbindlich für Ärzte, Zahnärzte, MVZ und Chefärzte.

Wie gut hat Ihnen der Artikel gefallen?

Kostenloser Abrechnungsstellen-Vergleich

Jetzt in unserem Abrechnungsstellen-Vergleich die passende Abrechnungsstelle finden.
Kostenfrei und unverbindlich für Ärzte, Zahnärzte, MVZ und Chefärzte.

Wir bitten um Verständnis, dass wir zugunsten eines besseren Leseflusses in unseren Beiträgen nur eine Geschlechtsform verwenden, allerdings stets alle Geschlechtsformen gemeint sind. Zudem sind die Informationen in unserem Blog ohne jede Gewähr und Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne und kann und soll diese nicht ersetzen. Konsultieren Sie bei Bedarf gerne einen geeigneten Rechtsanwalt.

Vorheriger Beitrag
Bewertungsportale für Ärzte – Chancen für die Praxisreputation
Nächster Beitrag
Privatärztliche Verrechnungsstelle – so lagern Ärzte ihre Abrechnung aus

Ähnliche Beiträge

Menü