GOÄ – Gebührenordnung für Ärzte

Die Abrechnung medizinischer Leistungen wird in Deutschland grundlegend durch den Versicherungsstatus der Patienten bestimmt. Gesetzlich Versicherte werden nach dem sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abgerechnet. Dabei erfolgt die Abrechnung der vertragsärztlichen Leistungen über die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die wiederum mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnet. Dem entgegen stehen privatärztliche Leistungen, die in Deutschland mit der Gebührenordnung für Ärzte (Abkürzung: GOÄ) direkt gegenüber dem Versicherten abgerechnet werden.

Die Gebührenordnung für Ärzte (Abkürzung: GOÄ) schafft einen rechtlichen Rahmen für die Abrechnung aller medizinischer Leistungen außerhalb der Versorgung durch einen Vertragsarzt.

Im Folgenden informieren wir Sie zu den Grundlagen der Gebührenordnung für Ärzte und weiteren Rahmenbedingungen, zum Beispiel ihrer Rechtsverbindlichkeit und in welchen Fällen sie auch für gesetzlich Versicherte zum Einsatz kommt.

Dieser Beitrag umfasst grundlegende Informationen zur Gebührenordnung für Ärzte. Er dient nicht als Rechtsberatung und kann diese nicht ersetzen.

GOÄ – Das Regelwerk für approbierte Ärzte

Nach den Vorschriften der Bundesärzteordnung (BÄO) sind Sie als Arzt gesetzlich dazu verpflichtet, sich nach einer von der Bundesregierung erlassenen Gebührenordnung zu richten (§ 11 BÄO). Damit ist nach ärztlichem Berufsrecht die GOÄ für alle approbierten Ärzte verbindlich und jede Abrechnung muss nach ihr ausgerichtet werden, unabhängig von ihrer medizinischen Notwendigkeit. Ähnlich wie die Gebührenordnungen anderer freier Berufe (z. B. Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater) gibt Ihnen die GOÄ als Arzt damit vor, welche Honorare Sie für welche Leistungen beanspruchen dürfen. Seit 1987 existiert ebenso eine eigene Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ).

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Wer legt die GOÄ fest?

Die Gebührenordnung für Ärzte ist eine Rechtsverordnung der Bundesregierung und bedarf bei einer Änderung oder Neuauflage der Zustimmung des Bundesrates. Die aktuell geltende Version der Ordnung stammt aus dem Jahr 1982 und wurde zuletzt im Jahr 1996 aktualisiert. Um eine Gebührenordnung für Ärzte zu schaffen, die zeitgemäßer den heutigen Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik abbildet, erarbeiten die Bundesärztekammer (BÄK) und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) aktuell einen gemeinsamen Vorschlag für eine Neuauflage.

Aufbau der Gebührenordnung für Ärzte

Grundsätzlich gliedert sich die Gebührenordnung für Ärzte in zwei Teile: Ein Regelwerk mit zwölf Paragraphen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und das Gebührenverzeichnis mit über 250 Seiten über abrechenbare Leistungen, untergliedert in Abschnitte zu unterschiedlichen Fachgebieten.

Alle darin aufgeführten Leistungen enthalten folgende Inhalte:

  • Ziffer (1 bis 6018)
  • Leistungsbeschreibung
  • Besondere Bestimmungen zur Abrechnung (optional)
  • Punktzahl zur Bewertung der Leistung

Zudem wird im Verzeichnis zwischen Grundleistungen (u.a. Untersuchung und Beratung), nichtgebietsbezogenen Sonderleistungen (u.a. das Anlegen von Verbänden oder die Blutabnahme) und zuletzt gebietsbezogenen Leistungen (u.a. chirurgische Behandlungen) unterschieden.

Wann wird gemäß Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet?

Die GOÄ ist die reguläre Form der Abrechnung bei Privatpatienten. In Ausnahmefällen findet die GOÄ jedoch auch Anwendung in der Abrechnung gesetzlich Versicherter.

Wenn gesetzlich versicherte Patienten Leistungen in Anspruch nehmen, die laut Krankenkasse medizinisch nicht notwendig sind, ergibt sich eine individuelle Gesundheitsleistung (Abkürzung: IGeL). Diese wird grundsätzlich mit der GOÄ abgerechnet, unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert ist.

Entscheidet sich ein gesetzlich versicherter Patient dazu, ein Kostenerstattungsverfahren in Anspruch zu nehmen, kommt die GOÄ ebenfalls zum Tragen. In diesem Fall wird ihm eine Rechnung nach den Vorschriften der Gebührenordnung für Ärzte ausgestellt.

Zudem kommt die GOÄ über die Anwendung bei Privatpatienten hinaus, bei allen weiteren Leistungen des Krankenversicherungssystems zur Anwendung. Dazu zählen u.a. ausländische Patienten, die innerhalb Deutschlands nicht versichert sind und damit als Selbstzahler abgerechnet werden.

Aufbau der Abrechnung mit der GOÄ

Die erbrachten medizinischen Leistungen werden in der Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte über Ziffern angegeben (siehe Aufbau der Gebührenordnung für Ärzte). Zum Beispiel steht die GOÄ-Ziffer 1 für eine „ärztliche Beratung“ oder die GOÄ-Ziffer 5 für eine „symptombezogene Untersuchung“. In der Abrechnung wird von Ihrer Praxissoftware oder der privatärztlichen Verrechnungsstelle zudem eine Kurzbeschreibung der Leistung sowie die Rechnungsstellung hinzugefügt.

Hinter jeder GOÄ-Ziffer steht ein festgelegter Wert, der auch als Einfachsatz bezeichnet wird. Beispielsweise entsprechen die zuvor angegebenen Beispiele „1: ärztliche Beratung“ und „5: symptombezogene Untersuchung“ einem Euro-Wert von 4,66 €.

Die Abrechnung erfolgt grundsätzlich über eine Kombination aus Ziffern, da das Gebührenverzeichnis nicht auf einen konkreten Behandlungsfall zugeschnitten ist, sondern nur auf Einzelleistungen, die Bestandteil einer Behandlung sind. Unter dem Behandlungsfall versteht die GOÄ die Behandlung derselben Erkrankung im Zeitraum eines Monats, nachdem der Patient zum ersten Mal Ihre ärztliche Leistung in Anspruch genommen hat.

Bestimmte Leistungen sind nach der Gebührenordnung für Ärzte im besagten Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig. Darunter fallen zum Beispiel die „Ärztliche Beratung“ nach GOÄ-Ziffer 1, aber auch die „Symptombezogene Untersuchung“ nach GOÄ-Ziffer 5.

Zudem regeln GOÄ-Ausschlüsse welche Ziffern nicht nebeneinander abgerechnet werden dürfen. Beispielsweise dürfen Sie als Arzt neben der GOÄ-Ziffer 28: „Gesundheitsuntersuchung“ keine körperlichen Untersuchungen nach den GOÄ-Ziffern 5,6,7 oder 8 abrechnen.

Gebührensatz nach der Gebührenordnung für Ärzte

Die Gebühr für eine Leistung setzt sich wie folgt zusammen: Einfachsatz * Abrechnungsfaktor.

Gebührensatz = Einfachsatz * Abrechnungsfaktor/Steigerungsfaktor

Jeder Leistung im Leistungsverzeichnis ist eine Punktzahl zugeordnet. Beispielsweise entspricht der Ultraschall eines Organs einer Punktzahl von 200. Der Einfachsatz (auch Grundgebühr genannt) entsteht aus der Multiplikation dieser Punktzahl einer Leistung mit dem Punktwert. Dieser wird vom Gesetzesgeber festgelegt und liegt aktuell bei 0,0582873 €.

Durch die Multiplikation des Einfachsatzes mit dem Abrechnungsfaktor, auch als Steigerungsfaktor bezeichnet, ergibt sich der Gebührensatz für eine erbrachte medizinische Leistung. Hierbei sind Sie als Arzt für Privatpatienten in der Preisgestaltung etwas flexibler als Vertragsärzte. Denn je nach Zeitaufwand und Schwierigkeitsgrad einer Leistung haben Sie die Möglichkeit, die Gebühren durch den Abrechnungsfaktor zu erhöhen bzw. anzupassen.

Zur regelmäßigen Anwendung kommt der Gebührensatz mit dem Abrechnungsfaktor 2,3. Dieser entspricht einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand. Die Gebühr der medizinischen Leistung hinter der GOÄ-Ziffer 1 („ärztliche Beratung“) wird damit von der Grundgebühr 4,66 € auf 10,72 € erhöht.

Bis zur Anwendung des 2,3-fachen Gebührensatzes sind Sie als Arzt flexibel. Ist der Faktor jedoch größer als 2,3, bedarf es in der Rechnung einer nachvollziehbaren Begründung. Ab einem Steigerungsfaktor von über 3,5 wird zudem eine schriftliche Vereinbarung Ihres Patienten notwendig.

Für bestimmte Leistungen sind Ihnen als Arzt Einschränkungen vorgeschrieben. Beispielsweise dürfen Laboruntersuchungen maximal mit dem 1,3-fachen Gebührensatz berechnet werden. Als durchschnittlicher Satz gilt bei dieser Leistung der 1,15-fache.

Die Gebührensätze können Sie in Ihrer Praxissoftware hinterlegen, sodass automatisch der richtige Steigerungsfaktor hinzugefügt wird.

Zuschläge nach GOÄ

In der GOÄ werden nicht nur Ziffern für die Aufschlüsselung bestimmter Leistungen genutzt, sondern auch Buchstaben. Diese definieren Zuschläge, die Sie als Arzt berechnen dürfen. Grundsätzlich ist die Verrechnung der Zuschläge nur mit dem einfachen Verrechnungssatz zulässig.

Folgende Zuschläge dürfen Sie laut der Gebührenordnung für Ärzte berechnen:

  • A: Leistungserbringung außerhalb der Sprechstunde
    • Zuschlag: 4,08 €
    • Eine Abrechnung neben B,C und/oder D ist nicht zulässig.
  • B: Leistungserbringung außerhalb der Sprechstunde zwischen 20 und 22 Uhr und 6 und 8 Uhr
    • Zuschlag: 10,49 €
  • C: Leistungserbringung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr
    • Zuschlag: 18,65 €
    • Der Zuschlag darf nicht neben B abgerechnet werden.
  • H: Leistungserbringung an Samstagen, Sonn – oder Feiertagen
    • Zuschlag: 12,82 €
    • Im Rahmen einer Sprechstunde an einem Samstag darf der halbe Gebührensatz berechnet werden.
    • Zwischen 20 Uhr und 8 Uhr darf zudem B oder C berechnet werden
  • K1: Untersuchungen nach den Ziffern 5,6,7 oder 8 von Kindern bis zur Vollendung ihres 4. Lebensjahrs
    • Zuschlag: 6,99 €

Analogleistungen in der GOÄ

Sind Leistungen im Gebührenverzeichnis für Ärzte nicht aufgeführt, beispielsweise bei neuen Leistungen, erfolgt die Abrechnung anhand einer Analogleistung. Damit sind Leistungen gemeint, die in ihrer Art, sowie in ihrem Kosten- und Leistungsaufwand ähnlich sind.

Die GOÄ-Ziffer wird dann mit dem Zusatz „analog“ oder einem A vor der Ziffer und einer eindeutigen Beschreibung der Leistung ergänzt. Als Grundlage für die Bewertung der Analogleistung kann das „Verzeichnis der Analogen Bewertungen“ von der Bundesärztekammer hinzugezogen werden.

Unterstützung bei der GOÄ-Abrechnung

Neben den aufgeführten Inhalten sind weitere Regularien in der GOÄ festgehalten, die über die rein medizinischen Leistungen hinausgehen, z.B. die Berechnung von Wegegeld oder Reiseentschädigung, etc., die Sie als Arzt berechnen können. Um ein wirtschaftliches Geschäft zu betreiben ist es für Sie besonders wichtig, das Abrechnungssystem von Privatpatienten nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu verstehen. Im Praxisalltag kann es jedoch schwer sein, den Überblick zu behalten. Für eine solche Entlastung und Optimierung der Wirtschaftlichkeit bietet sich für Sie daher die Auslagerung der Privatliquidation an eine professionelle Abrechnungsstelle an. Mit unserem kostenlosen Vergleichsrechner für Abrechnungsstellen helfen wir Ihnen, die passende Abrechnungsstelle zu finden.

Häufige Fragen zur Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)

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