Videosprechstunde in der GOÄ (Telemedizin)

Online-Arzt

Die Videosprechstunde – ein Abrechnungsfall aus der Privatpraxis

Eine 71- jährige Stammpatientin, die regelmäßig wegen Diabetes mellitus sowie arterieller Hypertonie in Behandlung ist, wartet bereits im Online-Wartezimmer, bis ihr Hausarzt sie „abholt“ und sie zur Videosprechstunde begrüßt. Anlass der Videosprechstunde ist eine bereits bei der Terminvereinbarung genannte minimale Hautveränderung an der linken Hand. Zudem möchte sie die durch den Diabetologen veranlassten Laborwerte mit der Ärztin besprechen. Die Werte liegen der Privatarztpraxis bereits vor.

Die Internetverbindung ist auf beiden Seiten stabil, auch die Kameras haben eine optimale Position eingenommen. Die Mikrofone funktionieren ebenfalls einwandfrei. Da die Patientin schon seit vielen Jahren in der Praxis in Behandlung ist, sind ihre Patientendaten bereits im System hinterlegt und der Privatbehandlungsschein kann nach Überprüfung der Aktualität der Daten einfach „wiederbelebt“ werden.

Vor Beginn der Fernbehandlung wird die Patientin natürlich auch zum Datenschutz und darüber aufgeklärt, was nun die Fernbehandlung konkret von der physischen Behandlung unterscheidet und weshalb in ihrem Fall nun eine physische Behandlung (vorerst) nicht unbedingt notwendig ist. Dennoch wird die Patientin zusätzlich darauf hingewiesen, dass bei eventueller Verschlechterung des Gesundheitszustandes eine physische Untersuchung bzw. Behandlung in der Praxis notwendig wird. Der Arzt dokumentiert das Aufklärungsprocedere sowie alle für die derzeitige und künftige Behandlung zu dokumentierenden Maßnahmen und Ereignisse in der Patientenakte.

Praxistipps:

  • Bei privaten Neupatienten hält der Patient einfach den Personalausweis in die Kamera, sodass eine eindeutige Identifikation des Patienten gewährleistet ist und die Daten in das Praxisverwaltungssystem aufgenommen werden können.
  • Technikaffine MFA können den Arzt im Vorbereitungsprozess (technische Organisation und administrative Prozesse) optimal unterstützen. Auch während der laufenden Videosprechstunde kann das Praxispersonal die Dokumentation übernehmen, sofern der Patient einwilligt.

Details zur Videosprechstundenbehandlung

Der Hausarzt bespricht und berät die Patientin nur kurz wegen der Laborwerte, da diese soweit alle im Normbereich sind. Anschließend bittet er die Patientin die betreffende Hand in die Kamera zu halten, damit er eine visuelle Hautuntersuchung durchführen kann.

Er diagnostiziert visuell ein (vorerst) harmloses Ekzem, welches mit einer Spezialcreme behandelt werden kann, und stellt der Patientin dafür ein Rezept aus. Anschließend aktualisiert er noch den Medikamentenplan, da sich wegen der guten Blutwerte die Metformin-Dosierung reduziert hat. Der Arzt erstellt noch einen Befundbericht über die Videobehandlung mit Anamnese, Befund, Diagnose, einer kurzen Bewertung und der Therapie.

Der Medikamentenplan, der Arztbrief sowie das Rezept werden der Patientin per Post zugeschickt. Der Gesamtzeitaufwand liegt bei 25 Minuten.

Es wird empfohlen, generell nach einer Fernbehandlung einen Kurzarztbrief zu erstellen (BÄK – Handreichung). Sofern sie den Kurzarztbrief und den Medikamentenplan z.B. verschlüsselt per E-Mail versenden, müssen Sie zuvor das Einverständnis des Patienten einholen.

Wie wird die Videosprechstunde in der GOÄ abgerechnet?

Der zuvor geschilderte Fall wird, teilweise anlehnend an die BÄK-Empfehlung (Beschluss des Gebührenausschusses der BÄK vom 14./15. Mai 2020), wie folgt nach GOÄ abgerechnet:

GOÄ-Ziffer Leistungsbeschreibung Faktor Betrag (in €) Bemerkung
GOÄ 1 Beratung im Rahmen der Videosprechstunde 2,3 10,72 Die Videoübertragung stellt eine besondere Ausführung der Beratung mittels Fernsprecher dar und berechtigt daher zur originären Berechnung der Ziffer.

Vorsicht: Reine Laborbefundmitteilungen sind gemäß der Allgemeinen Bestimmungen zu Kapitel M Punkt 1 der GOÄ nicht gesondert berechnungsfähig. Wobei reine Befundmitteilungen wohl eher selten einen Arzt-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde erfordern.

GOÄ 5 analog gemäß § 6 (2) der GOÄ berechnet alternativ A5 (BÄK) Visuelle symptombezogene Untersuchung im Rahmen der Videosprechstunde 2,3 10,72 Sorgfältige Dokumentation erforderlich, die den Grund angibt, weshalb ausnahmsweise keine körperliche Anwesenheit des Patienten erforderlich ist.
GOÄ 70 analog nach § 6 (2) der GOÄ berechnet alternativ A70
(BÄK)
Erstellung oder Aktualisierung und ggf. elektronische Übersendung eines Medikationsplans 2,3 5,36 Der elektronische Versand eines Medikamentenplanes (z.B. verschlüsselt per E-Mail) kann nicht gesondert berechnet werden, da dies bereits Bestandteil der Leistung ist.
GOÄ 75 Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben zur Anamnese, zu dem/den Befund(en), zur epikritischen Bewertung und ggf. zur Therapie 2,3 17,43
Porto für Standardbrief
(gemäß § 10 Abs. 3 GOÄ)
0,80 Sachkostenkürzel mit aktuellem Porto in der Praxis-EDV anlegen.
Gesamtbetrag: 45,03 €

Weitere Hinweise zur Abrechnung der Videosprechstunde

  • Der Leistungstext der Ziffer muss den Hinweis „mittels oder im Rahmen einer Videosprechstunde“ und ggf. die jeweilige Mindestdauer beinhalten (Hinweis zu den vom Vorstand der Bundesärztekammer in seiner Sitzung vom 14./15.05.2020 (Wahlperiode 2019/2023) beschlossenen Abrechnungsempfehlungen zu telemedizinischen Leistungen).
  • Die Rezeptausstellung kann nicht gesondert berechnet werden.
  • Für die Steigerung gelten die Regeln von § 5 Abs. 2 der GOÄ. Demnach kann der Faktor der Leistung ggf. unter Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrades oder des Zeitbedarfes sowie wegen der Umstände bei der Ausführung gesteigert werden. Als Beispiel dient hier besonderer technischer Aufwand (Umstände) oder bei eingehenden, das gewöhnliche Maß übersteigenden Beratungen (Zeitaufwand), z.B. bei beratungsintensiven Krankheitsbildern.
  • Die meisten PKV-Tarife sehen keine Einschränkungen für die Kostenübernahme im Rahmen der Videosprechstunden vor. Für Postbeamte der Gruppe B oder bei KVB-versicherten Patienten sollte man sich aber im Vorfeld die Akzeptanz der analog ansetzbaren Leistungen bestätigen lassen.
  • Die Bundesärztekammer (BÄK) hat im Juni 2020 Abrechnungsempfehlungen bekanntgegeben. Zusätzlich können aber auch andere Leistungen im Rahmen der Videosprechstunde erbracht bzw. abgerechnet werden. Es ist generell darauf zu achten, ob sich aus den Leistungslegenden bzw. aus berufsrechtlichen Gründen die Möglichkeit ergibt, dass ein Videokontakt erfolgen kann. Denkbar wäre also auch beispielsweise der Ansatz einer Fremdanamnese nach GOÄ 4 oder das Ansetzen der GOÄ-Zuschläge A bis K1.

Allgemeine Hinweise zur Fernbehandlung privat versicherter Patienten (rechtliche Voraussetzungen, Organisation und Technik)

  • Überprüfen Sie, ob Ihre Haftpflichtversicherung die Videosprechstunde mit abdeckt.
  • Die Videosprechstunde muss immer frei von Werbung sein.
  • Die Videodienstanbieter müssen immer Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Die technischen Standards sind im Rahmen der Behandlung von Kassenpatienten in der Anlage 31 b BMV-Ä geregelt. Es wird – unter anderem auch von der BÄK – empfohlen, diese dort geregelten Standards, beispielsweise einen zertifizierten Videosprechstundendienstanbieter zu nutzen, auch bei der Fernbehandlung von Privatversicherten einzuhalten.
  • Die Internetverbindung muss stabil sein. Achten Sie auch auf eine einwandfreie Funktion der Kamera, des Mikrofons und der Lautsprecher. Ein allgemeiner Check der Technik sollte standardmäßig vor Beginn der Videosprechstunde durchgeführt werden.
  • Achten Sie zudem auf eine ruhige Atmosphäre, damit ein ungestörter Ablauf der Videosprechstunde garantiert werden kann. Am besten nutzen Sie ein Sprechzimmer, welches nicht durch Straßenlärm oder eine unmittelbare Nähe zur Anmeldung Störgeräusche hervorrufen kann.

Achtung:
Die Empfehlungen sind nicht abschließend. Vor Einführung der Videosprechstunde sollten zusätzlich immer die Landesberufsordnung oder z.B. auch fachbezogene Leitlinien beachten werden, aus denen sich vielleicht zusätzliche Bestimmungen ergeben.

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Wir bitten um Verständnis, dass wir zugunsten eines besseren Leseflusses in unseren Beiträgen nur eine Geschlechtsform verwenden, allerdings stets alle Geschlechtsformen gemeint sind. Zudem sind die Informationen in unseren GOÄ-Tipps ohne jede Gewähr und Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Es handelt sich nicht um eine gebührenrechtliche Beratung im eigentlichen Sinne und kann und soll diese nicht ersetzen. Konsultieren Sie bei Bedarf gerne einen geeigneten GOÄ-Berater.

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